Wieso eine Rafting- oder Canyoning-Tour in Tirol, Kroatien oder Korsika buchen, Abenteuer kann man auch hier erleben, nahezu gleich vor der Haustüre. So geschehen am vergangenen Wochenende auf unserer Paddeltour mit dem MKC.
Quartier bezogen wir auf dem idyllisch gelegenen Campingplatz Bad Zwesten, der absolut ruhig ganz malerisch gleich an der Schwalm liegt. Erfolgte die Anreise noch bei hässlichem Regenwetter, so bewahrheitete sich doch für unsere 2 Tage auf dem Fluss wieder einmal der Spruch:"…wenn Engelein reisen…". Solange wir das Paddel schwangen und auch beim Camping, gab’s keinen einzigen Tropfen mehr! Die Befürchtung, die Schwalm könnte zu wenig Wasser führen und wir müssten vielleicht auf die Eder oder Fulda ausweichen, traf nicht ein, und so begann das Abenteuer.
Die erste Route führte uns 15 km weit und ca. 3 Stunden lang von Schlierbach zu unserem Campingplatz in Bad Zwesten. Die Strecke entpuppte sich als besonders und anders als „normale“ Wanderrouten. Die Schwalm windet sich naturbelassen und unberührt durch eine ganz friedlich daliegende Landschaft, fern ab jedweden Verkehrs und jeglicher Hektik und weist ein dschungelähnlich anmutendes Ambiente auf. Konzentration und Manövriergeschick waren angesagt, mit kurzen, wendigen Wildwasserkajaks war man gut beraten und es galt, die Lücken im Dickicht der herabgestürzten, im Wasser quer liegenden Bäume und herabhängenden Sträucher zu finden und zu durchqueren oder auch anders zu überwinden. Auch musste der eine oder andere Durchgang erst noch von unserem Wanderwart vor Ort und Stelle freigeräumt oder vorgemacht werden, dass man über Baumstämme auch einfach drüberfahren kann. Die Zeit auf dem Wasser verlief sehr spannend, abwechslungsreich und auch ein bisschen aufregend und kein bisschen langweilig, denn nach jeder Kurve wartete das nächste Abenteuer!
Die Strecke bot sich so urwüchsig und verwunschen dar, dass es einem das Gefühl vermittelte, auf einem exotischen Gewässer unterwegs zu sein und man beinahe Ausschau hielt nach Krokodilen oder anderen gefährlichen Tieren, die uns dann an unserem zweiten Tag, der uns auf 18 km und in ca. 3 ½ Stunden von unserem Campingplatz in Bad Zwesten nach Wabern führte, tatsächlich begegneten.
Dieser zweite Tag überbot den vorherigen nochmals an Spannung und Herausforderung! Weiterhin und noch interessanter schlängelt sich die Schwalm hier durch ihr enges Bett auf etwa 160 Metern Höhenunterschied, die es zu überwinden galt, so dass nicht weniger als 7 Wehre auf der Strecke liegen. Diese sind alle befahrbar, der Anfänger entschied sich aber dann 3:4 zugunsten des Umtragens. Bevor wir auf die gefährlichen Tiere trafen, gestaltete sich die Befahrung der Schwalm äußerst interessant. Nicht nur besagte Anzahl an Wehren, die sich bei Bedarf relativ leicht umtragen lassen, auch jede Menge nette Schwalle, schöne Strömung im Wechsel mit manchmal auch etwas zäh fließendem Wasser, manchmal ein bisschen holpriges Streifen des Flussbettes, wo dann doch mal das Wasser eine nicht ganz optimale Höhe hatte, reihten sich aneinander, und wir konnten uns insbesondere auch an diesem Tag über viel Abwechslung in Form immer wieder zu überwindender und zu durchquerender Hindernisse freuen.
Die gesamte Strecke beeindruckt mit sanfter Wildheit und dem urwaldartigen Charakter. Wo das Wasser relativ ruhig daliegt, wird das Herz weit, weil über uns die Bäume und der Himmel emporragen, und unter uns dasselbe Bild, ebenfalls Bäume und Himmel, weil sich alles so wunderbar im Wasser spiegelt. Da verschmilzt man in seinem Kajak und wird eins mit diesen superschönen landschaftlichen Eindrücken. Und da stand es dann plötzlich, eines dieser wilden Tiere, dessen Auftauchen man während der gesamten Fahrt immer wieder erwartete, wenn auch nicht das Krokodil aus dem Wasser, so erhob sich doch mächtig imposant und hautnah ein gewaltiger Dinosaurier gleich neben uns am Ufer, in Borken am ehemaligen Kohlekraftwerk. Ist er auch nicht echt, so passt er doch gut in diese urwüchsige Natur.
Wer einmal Lust auf echte Abwechslung und Herausforderung beim Wanderfahren hat, die Natur liebt und ein bisschen Abenteuer sucht und nicht allzu weit anreisen möchte, der ist an der Schwalm richtig. Ein echt spannender Fluss und ein tolles Erlebnis, das nur getrübt wurde durch leider an manchen Stellen gehäuft im Wasser schwimmenden Mengen Abfalls, hauptsächlich einer Menge leerer Flaschen. Es ist echt schade und unglaublich, dass es Menschen gibt, die in der Lage sind, dermaßen ihren eigenen Lebensraum zu verschandeln und zu verdrecken.
Der Regen kam erst wieder, als alle Boote für die Rückfahrt geladen und die Zelte trocken verstaut waren und wir uns von dem netten Campingplatzwart verabschiedet hatten.
|